Ghost Recon Geschichte
Tom Clancy's Ghost Recon: Advanced Warfighter
Wie gewohnt ist die Handlung wieder ein paar Jahre in der Zukunft angesiedelt, genauer gesagt im Jahre 2013, in der moderne Militär- und Kampfausrüstung eine Rolle spielt. Das Ghost-Team hat einen eigentlich recht simplen Job vor sich, nämlich von einem Kontaktmann in Mexico City ein verschollenes Kommunikationsgerät einzusammeln. Doch alles kommt anders: Noch während das Team im Einsatz ist, stürmen Rebellen den Regierungssitz. Schlimm genug, doch zu allem Überfluss befindet sich der US-Präsident auch in der Stadt, um eine Kooperationsvereinbarung mit mexikanischen und kanadischen Regierungsvertretern zu unterzeichnen.
So kommt es, dass der Präsident mitten in die Wirren des Putsches gerät und das Ghost-Team unter der Leitung von Captain Mitchell, dessen Rolle ihr übernehmt, die Aufgabe hat, den Präsidenten zu finden und zu beschützen, was euch wiederum reichlich Arbeit in Form von knackigen Straßen- und Häuserkämpfen verpasst. Erfreulich: Diesmal sind die Missionen nicht ganz so aneinander geklebt wie im Vorgänger, stattdessen erwartet euch so etwas wie eine zusammenhängende Story, die euch durch unterschiedliche Aufgaben führt und euch quer durch Mexico City beschäftigt.
Harte Arbeit in Mexico City
Schon beim Hubschrauberanflug in der ersten Mission zeigt sich dabei, dass GRIN keine Kosten und Mühen gescheut hat. Mexico City erstrahlt komplett in 3D modelliert und frei begehbar, wobei die Umgebung ohne spürbare Pausen geladen wird. Das bietet natürlich eine Menge Möglichkeiten, denn ihr könnt ganze Stadtteile nutzen, um Gegner mit eurem kleinen Vier-Mann-Team zu umgehen oder taktisch klug auszutricksen. Zwar sind die meisten Gebäude nicht begehbar, abgesehen von gelegentlichen Ausflügen auf niedrige Dächer, dennoch bieten die umfangreichen Straßenzüge einen ordentlichen Spielplatz für eure Manöver. Im Kampf kommen nicht nur die zentralen Straßenviertel zur Geltung, sondern auch hügelige Umgebungen in den Randgebieten der Stadt, sodass für Abwechslung gesorgt ist.
Die Missionen selbst sind umfangreich, die einzelnen Ziele werden euch im Verlauf der Mission per Funk und Videoeinblendung im Cross-Com-HUD mitgeteilt. Zielmarken mit Entfernungsangabe sorgen dafür, dass ihr euch in Mexico City dabei nicht hoffnungslos verlauft. Der Missionsverlauf ist stets logisch und bietet guten Zusammenhang. So müsst ihr zum Beispiel die letzte bekannte Position des Präsidenten finden, dort Stellung halten, bis weitere Informationen eintreffen, mit einem Ablenkungsmanöver einen Fluchtweg öffnen und letztendlich eine Evakuierung auf dem Dach eines Parkhauses sichern.
KI mit Stärken und Schwächen
Die Gegner machen euch das Leben allerdings alles andere als leicht in den beiden Schwierigkeitsgraden. Da Realismus an erster Stelle steht, liegt ihr bereits nach wenigen Treffern am Boden und dürft einen Spielstand laden. Selbige werden automatisch bei Teilabschnitten der Missionen angelegt und sind im Großen und Ganzen fair verteilt, dennoch hätte ich mir in Anbetracht des Schwierigkeitsgrades einiger Missionen eine Quicksave-Funktion gewünscht. Futzeleien wie Medipacks gibt es nicht, ihr könnt lediglich bei erlegten Gegnern Munition einsammeln. Die KI der Gegner hinterlässt allgemein einen recht guten Eindruck und agiert in den Kämpfen selbst relativ dynamisch, auch wenn viele Events und auch die Startpositionen und einige Laufwege der Gegner zu hundert Prozent gescriptet sind, wodurch viele Aktionen vorhersehbar werden.
Auch die Deckungssuche der Gegner und deren Angriffsverhalten klappen im Allgemeinen recht gut. Wenn ihr erst einmal entdeckt wurdet, habt ihr ein hartes Leben dabei, die Gegner durch taktischen Einsatz eures Squads aus der Reserve zu locken. Zu bemängeln ist allerdings, dass die KI-Gegner nicht selten über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen scheinen – zu oft kommt es vor, dass ihr euch still und leise an eine Ecke schleicht, nur um euch schon beim ersten vorsichtigen Herumspähen um die Ecke gleich eine Granate oder Kugel einzufangen. Das ist nicht nur wenig realistisch, sondern in einigen Spielabschnitten schlichtweg frustrierend.
Steuerung leicht gemacht
Zur Steuerung eurer Team-Kameraden stehen euch im Grunde zwei Möglichkeiten zur Verfügung. So könnt ihr on-the-fly per Druck aufs Mausrad ein kleines Kommando-Menü aufrufen und simple Anweisungen wie Angriff, Deckung oder Folgen erteilen, sowohl einzelnen Squad-Mitgliedern als auch dem gesamten Team. Etwas ärgerlich ist dabei, dass diese Befehle recht grob befolgt werden. Weist man den Kameraden beispielsweise ein Ziel zu, stiefeln sie zwar brav dorthin, die Suche nach einer vernünftigen Position findet aber nur sporadisch statt und auch die Sichtrichtung der Truppe ist oftmals nicht optimal. Auch kann nicht vorgegeben werden, ob die Kollegen stehend, hockend oder robbend vorrücken sollen. Ebenfalls enttäuschend ist, dass ihr nicht das aktive Teammitglied wechseln, sondern lediglich den Leiter des Teams übernehmen könnt und somit eine Mission scheitert, wenn euer Recke das Zeitliche segnet, obwohl der Rest vom Team mitunter noch voll einsatzfähig ist.
Ein wichtiges Element ist das so genannte Cross-Com, in welchem ihr eure Teammitglieder per Mausrad durchschalten und von jedem schematische Darstellungen des Sichtfelds ihrer Helmkamera im HUD betrachten könnt. Des Weiteren steht euch eine taktische Satellitenkarte zur Verfügung. Auch hier könnt ihr euer Team mittels Wegpunkten bewegen und Anweisungen erteilen, was speziell Fans der alten 'Rainbow Six'-Titel sicherlich gefallen dürfte, auch wenn die Möglichkeiten hier nicht ganz so ausufernd umgesetzt sind. Die KI führt eure Anweisungen überwiegend gut aus, die Squad-Mitglieder beharken automatisch Gegner, melden per Funkkontakt und suchen Deckung. Lediglich beim Bewegen durch die Stadt kommt es nicht selten vor, dass die Pappkameraden sinnfreie Wege nutzen und statt eurem Pfad zu folgen, auch mal quer durchs gegnerische Feuer tapsen. Für künftige Titel oder einen möglichen Patch sollte GRIN hier noch mal eine Hirnoperation an den KI-Soldaten vornehmen.
Zwischen den Missionen und gelegentlich an Versorgungsplätzen, wie einem Helikopter, könnt ihr euch und euer Team auch mit neuen Waffen und Upgrades ausrüsten. Grundsätzlich verfügt jeder Soldat über drei Slots für eine schwerere Waffe, Handfeuerwaffe/MP und Granaten/Munition/PAK. Des Weiteren könnt ihr einige der Waffen mit Upgrades, wie Zielfernrohr, Schalldämpfer oder Granatwerfer, ausrüsten. Die Upgrades haben jedoch ihren Preis, zum einen können die Soldaten nur ein begrenztes Gewicht mit sich herumschleppen, zum anderen wirken sich die Zusatzteile auch auf Handling und Genauigkeit aus. So ist ein Granatwerfer zwar eine feine Sache, doch die Waffe wird damit um einiges schwerer und dadurch auch ungenauer. Schade ist, dass stationäre Waffen oder Fahrzeuge in den Levels nicht genutzt werden können.
Koop-Spiel und Domination
Wer die Nase voll hat vom Single-Dasein (sieht man mal von den drei virtuellen Kollegen ab), der darf sich im Multiplayer-Modus verausgaben, der leider einmal mehr nur mit Gamespy-Unterstützung daherkommt und einen Dedicated Server vermissen lässt. Geboten werden zwei Spielmodi: zum einen ein Kooperativ-Modus für bis zu vier Spieler, zum anderen ein Domination-Modus für bis zu 32 Spieler. Der Koop-Modus entpuppt sich als brettharte Herausforderung für Hardcore-Spieler, einerseits weil es keine Savepoints und Respawns gibt, andererseits weil der Spieler, der das Spiel eröffnet, automatisch zum Team-Leader wird und dummerweise nicht sterben darf, da sonst die Session beendet ist. Der Team-Leader spielt eine eher zurückhaltende, aber wichtige taktische Rolle, indem er mit dem aus dem Einzelspieler-Modus bekannten Steuerungselementen Befehle an die Mitspieler gibt, die bei denen wiederum als Waypoints auf dem Bildschirm erscheinen. Somit werden die Koop-Missionen zu einer echten Herausforderung und verlangen nicht nur eine sehr gute Absprache der Mitspieler, sondern auch eine gehörige Portion Glück – sie sind damit für Anfänger alles andere als geeignet. Externe Tools wie Teamspeak machen eine Menge Sinn für diesen Modus, zumal keine VOIP-Funktionalität enthalten ist.
Im Domination-Modus dreht sich alles darum, bestimmte Zonen der Karte mit den eigenen Mitspielern zu besetzen, wobei die Zahl der Spieler in der Zone entscheidet, wer die Zone erobert und wie schnell. Welche Zonen im Besitz sind, hat auch Auswirkungen. So ist es durchaus möglich, dem Gegner den Nachschub abzuschneiden, sprich eine Zone zwischen dem Hauptquartier und der aktuell besetzten Zone dem Gegner abzuknöpfen und die Versorgungslinien damit zu unterbrechen. Die Punkte, die ihr im Verlauf des Matches erhaltet, können wiederum in den Kauf von Equipment investiert werden, abhängig von den Versorgungslinien, und es ist auch möglich, die Respawn-Zone vom ursprünglichen Spawnpunkt auf den Squad-Leader umzulegen. Während der Koop-Modus eher langsam und intensiv ist, geht der Domination-Modus mit höherem Tempo klar in den actionreicheren Part. Beide Spiel-Modi haben durchaus Potential, umso ärgerlicher ist das Fehlen eines Dedicated Servers. Weitere Spielmodi, die per Download nachgeliefert werden sollen, sind bereits in Planung und auch das bisher eher magere Kontingent von lediglich fünf Maps soll noch weiter ausgebaut werden.
Glänzende Ausblicke in Mexico City
Im Hinblick auf die technische Umsetzung hat sich GRIN ordentlich Mühe gegeben. Die riesige Stadt wird ohne spürbare Ladezeiten auf den Rechner gezaubert und bietet jede Menge Details bis hin zu herumkullernden Getränkedosen und animierter Vegetation, brennenden Autowracks und gesprengten Gebäuden. Das integrierte Physik-System hinterlässt ebenfalls einen guten Eindruck, selbst die Reifen von Fahrzeugen können zerschossen werden – mit dem dazu passenden Runtersacken des Fahrzeugs. Zerstörbare Objekte gibt es in Hülle und Fülle und wer sich hinter einem Blumentopf oder Holzzaun sicher fühlt, setzt sein virtuelles Leben aufs Spiel. Ebenfalls unterstützt wird der AGEIA PhysX-Prozessor, der in nächster Zeit auf den Markt kommen soll.
Sehr gelungen sind auch die Licht- und Schattenspiele, die sich zum einen durch bewegte Objekte ergeben, zum anderen gibt es sogar entsprechende Lichteinwirkungen, wenn ihr aus einem schattigen Hauseingang ins helle Sonnenlicht tretet. Dann nämlich wirkt das Sonnenlicht blendend und die Umgebungen übermäßig hell, bis sich eure virtuellen Augen an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt haben. Ebenso gelungen sind auch die Modelle und Texturen der Teammitglieder und Gegner bis auf wenige Ausnahmen, die Waffen werden durch die Bank akkurat und realitätsnah dargestellt. Effekte, wie Rauch, Staub oder Feuer, und Explosionen kommen ebenfalls sehr authentisch daher. Schade nur, dass kein Anti-Aliasing genutzt wird.
Die Soundkulisse des Spiels weiß über weite Strecken zu gefallen, auch wenn die deutsche Sprachausgabe qualitativ etwas hinter der englischen zurückbleibt. Speziell der Funkverkehr kam in der englischen Preview-Version noch eine Prise authentischer rüber. Die Kampfgeräusche lassen wenig Spielraum für Nörgeleien und können ebenfalls überzeugen, von der besagten kullernden Dose bis hin zu den wuchtigen Explosionen. Vor allem mit Dolby Surround Sound wird da eine prima Sache draus, die euch ein schickes Mittendrin-statt-nur-dabei-Feeling verpasst. Die Hintergrundmusik gibt sich militärisch-martialisch, fällt aber nicht unangenehm auf und betont zuweilen das Geschehen auf dem Bildschirm.
Pro/Contra
+ überzeugende Optik
+ enorm umfangreiche Levels
+ tolle Atmosphäre
+ gelungenes Physik-System
+ anspruchsvolle Missionen
+ gelungener Domination-Modus
+ weitgehend authentische Waffen und Ballistik
- Wegfindung nicht immer optimal
- KI gelegentlich unfair (Hellseherei)
- Team-KI verbesserungswürdig
- Fahrzeuge und stationäre Waffen nicht nutzbar
- kaum begehbare Gebäude
- kein Dedicated Server
Features
· Multiplayer-Modus für 4 (’Koop’), bzw. 32 Spieler (’Domination’)
· Militärtechnologie basierend auf aktuellen U.S.-Army-Forschungen
· umfangreiche Stadtumgebungen in Mexico City
· Cross-Com-HUD zur taktischen Steuerung
· komplett auf deutsch
Mein Fazit also:
'Advanced Warfighter' sieht nicht nur optisch sehr gut aus, sondern bietet auch anspruchsvolle, wenn auch zum Teil bockschwere Missionen mit vielen Möglichkeiten dank taktischer Karte, On-the-Fly-Kommandos und viel Bewegungsfreiheit. Dabei hinterlässt die KI einen insgesamt leider etwas durchwachsenen Eindruck, speziell bei Problemen mit der Wegfindung und Hellseherei der Gegner. Visuell gibt es kaum etwas zu bemängeln, allerdings sollte schon ein kräftiger Rechner mit aktueller Grafikkarte vorhanden sein, um die volle Pracht zu genießen. Dennoch bleibt ein leicht fader Nachgeschmack nicht aus, denn in vielen Bereichen hätte GRIN die Sache noch besser machen können – es krankt an Kleinigkeiten. Darum schrammt das Spiel auch mehr oder weniger knapp an der 90er-Wertung vorbei.
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